Grimmstr. 1,
80336 München
Dr. Reinhard Probst
Methadon wird seit Jahrzehnten in der Drogensubstitution eingesetzt. Die Substanz hat keine euphorisierende Wirkung, also keine typische Drogenwirkung, dafür aber starke schmerzstillende Effekte.
Frau Dr. Friesen von der Universität Ulm erforschte die Wirkung von Opiaten – zu denen auch Methadon gehört – an Tumorzellen. Im Unterschied zu anderen Zellen haben Tumorzellen wesentlich mehr Rezeptoren für Opiate. Als Dr. Friesen die Wirkung von Methadon bei Leukämiezellen testet, macht sie eine erstaunliche Feststellung: Diese Krebszellen starben in kürzester Zeit. Aber auch bei anderen Krebsarten wirkt die Substanz auf verschiedene Weise:
1. Das natürliche Selbstmordprogramm der Krebszelle, die Apoptose, wird aktiviert.
2. Chemotherapeutika können leichter in die Tumorzelle eindringen.
3. Die Fähigkeit der Krebszellen, Resistenzen gegen Chemotherapie zu entwickeln, wird verringert.
Auch wenn die moderne Onkologie bei vielen hämatologischen Erkrankungen wie Leukämien und bei früh diagnostizierten, soliden Tumoren sehr erfolgreich ist, so ihre Resultate bei den meisten metastasierten Tumoren doch eher unbefriedigend. Oft wirkt die Chemotherapie am Anfang sehr gut und die Tumoren reduzieren sich. Später allerdings kommt er oft wieder aggressiv und schneller wachsend zurück. Ein Chemotherapieschema wird dann durch ein nächstes ersetzt. Manchmal sprechen die Tumore darauf an, manchmal aber auch nicht. Zeitgleich nehmen die Schäden der Chemotherapie an den gesunden Zellen immer weiter zu.
Angesichts dieser Umstände wäre es also äußerst wünschenswert, wenn man Chemotherapien von Anfang effektiver gestalten könnte. Möglicherweise kann hierbei Methadon eine Rolle spielen. Dr. Friesen hat inzwischen über 400 Fälle dokumentiert, die für den unvoreingenommenen Experten nur einen Schluss zulassen: dass Methadon die Wirkung einer Chemotherapie massiv verstärkt und den Therapieeffekt über einen längeren Zeitraum stabil halten kann.
Methadon ist eine Substanz aus der Gruppe der Opioide. Das sind natürliche oder synthetische Stoffe, die an Opiatrezeptoren binden und dort z.B. eine schmerzhemmende Wirkung entfalten.
Dazu ist jeder Arzt berechtigt. Notwendig ist dazu ein so genanntes Betäubungsmittelrezept, das dem Patienten persönlich ausgehändigt wird.
Normalerweise sollte der Patient es persönlich in Empfang nehmen. Ausnahmsweise kann es aber eine andere Person, die mit einer entsprechenden Vollmacht ausgestattet ist, abholen. Das muss mit dem jeweiligen Arzt abgesprochen werden.
Wie jede Arznei kann auch Methadon bei falscher Anwendung gefährlich sein. Allerdings verwendet man Methadon seit Jahrzehnten zur Drogensubstitution in einer mehr als 10fach höheren Dosierung als zur Schmerztherapie und es sind keine lebensgefährlichen Wirkungen darunter beschrieben. Im Gegenteil, die Methadongabe gilt als sicher und die damit Substituierten können z.B. wieder arbeiten und ein weitgehend uneingeschränktes Leben führen.
Anfangs können Schwindel, Übelkeit, Erbrechen und Schläfrigkeit auftreten. Eventuell muss dann die Dosis reduziert werden. Nach etwa 4 Wochen gewöhnt sich das Gehirn an das Methadon. Meistens besteht aber eine mehr oder weniger ausgeprägte Verstopfung, die z.B. mit Movicol® behandelt werden muss.
Normalerweise wird der Arzt Methadon als Schmerzmittel verschreiben. Dafür ist es zugelassen. In Ausnahmefällen kann auch ein so genannter individueller Heilversuch durchgeführt werden, auch wenn keine Schmerzen vorliegen. Dies liegt in der Verantwortung des jeweiligen Arztes.
Verwendet wird das Methadon-Hydrochlorid (D,L-Methadon). Dieses muss von der jeweiligen Apotheke für den Patienten als Tropflösung hergestellt werden. Fertig- Präparate (z.B. in Tablettenform) sind vermutlich nicht oder schlechter wirksam.
Im Laborversuch zeigt Methadon auch ohne andere Substanzen eine apoptoseauslösende Wirkung auf Tumorzellen, d.h. das natürliche Selbstmordprogramm wird aktiviert. Allerdings ist die Wirkung von Methadon als Monotherapie bei metastasierten Prozessen vermutlich zu schwach. Im Laborversuch wirkt Methadon am besten in Kombination mit einer zytotoxischen Chemotherapie. Sie verstärkt die Aufnahme dieser Substanzen in die Tumorzellen und verhindert Resistenzentwicklungen.
Im Labor zeigt sich eine Wirksteigerung vor allem bei: Taxanen (z.B. Paclitaxel), Platinverbindungen, Antrazykline (z.B. Doxorubicin, Epirubicin), Topoisomerasehemmer (Irinotecan, Etoposid), Pyrimidinanaloga (z.B. Gemcitabine), Temozolomid, Eribulin, Methotrexat.
Bei Leukämien und allen metastasierten Tumoren, die mit zytotoxischen Chemotherapien behandelt werden (s.o.).
Methadon darf laut Dr. Friesen nicht mit Opiaten, wie z.B. Morphin, Tilidin, Fentanyl, Tramadol kombiniert werden. Auch Cannabispräparate führen vermutlich zu einer Wirkabschwächung.
So genannte Nicht-steroidale Antiphlogistika, wie Aspirin, Paracetamol, Diclofenac, Novalgin, Celecoxib etc. dürfen weiter eingenommen werden, wenn nötig.
Die Tropfen werden morgens und abends unverdünnt eingenommen und am besten mit der Zunge kurz im Mund verteilt. Das reduziert die Nebenwirkungen im Magen-Darm-Trakt.
Methadon wird über die Dauer einer chemotherapeutischen Krebsbehandlung eingenommen. Es sind Fälle dokumentiert, bei denen es nach dem Absetzen zu Rückfällen gekommen ist.
Es gibt eine kleine Glioblastom-Studie, die in erster Linie Sicherheit und Verträglichkeit untersucht. http://ar.iiarjournals.org/content/37/3/1227.full Dort zeigt sich eine Verlängerung des progressionsfreien Intervalls unter Methadon, d.h. wie lange der Patient keinen Rückfall zeigt. Eine weitere Studie wurde 2017 von der Charite in Berlin veröffentlicht. Dort wurde aber nur die Verträglichkeit einer Methadontherapie bei Hirntumorpatienten untersucht. Methadon zeigte dabei eine gute Verträglichkeit in Kombination mit Chemotherapie und Bestrahlung.
Vermutlich nie! Da es sich um eine nicht-patentierbare Substanz handelt, gibt es keine Geldgeber, die eine größere Studie finanzieren werden. Deswegen ist auch nicht mit einem Eingang der Substanz in die onkologischen Leitlinien zu rechnen. Studien wären aber wichtig und wünschenswert.